Handelssystem Optimierung
Welche Kriterien müssen in einem vollständigen Handelssystem definiert sein ?
- Wann und wie erfolgt der Einstieg in den Markt?
- Wann und wie erfolgt der Ausstieg aus dem Markt mit einem Verlust?
- Wann und wie erfolgt der Ausstieg aus dem Markt mit einem Gewinn?
Handelssystem Überoptimierung
Was braucht man, um Handelssysteme zu entwickeln ?
- Saubere historische Kursdaten zum Backtesting in ausreichender Anzahl.
- Software zum Backtesten von Strategien (z.B. Investox, Trade Station, Metastock)
Überoptimierung
Was muss vor der Systementwicklung beachtet werden ?
- alle zu verwendenden historischen Kursdaten müssen auf Vollständigkeit und Fehlerfreiheit geprüft werden und falls nötig korrigiert werden.
Möglicher Algorithmus zur Datenkorrektur:
| 1. |
visueller Chartcheck ( sehr grobe Ungenauigkeiten fallen auf) |
| 2. |
Plausibilitätsprüfung auf kleinere Ungenauigkeiten, die nicht ohne weiteres sichtbar sind, aber die Ergebnisse beim Systemtest verfälschen können ( bei EOD-Daten z.B. Hoch ist kleiner als Schlusskurs, Tief ist größer als Schlusskurs, Umsatz ist kleiner als 0 ) |
| 3. |
Verarbeitung von Feiertagen in Kurshistorien prüfen |
| 4. |
bei Daten wie Volumen oder Open Interest darauf achten, ob der Datenlieferant die Werte des Vortages möglicherweise am Folgetag korrigiert |
Optimierung
In welcher Komprimierung sollten die Kursdaten vorliegen ?
Daten können in verschiedenen Komprimierungen vorliegen.
Die Umwandlung eines zeitlich engeren Datenfeeds in einen zeitlich weiteren (z.B. Intraday-Tickdaten in 5-Minuten Intraday Daten ) ist unkompliziert und wird meist von der Handelssystem-Software erledigt.
Die Umwandlung zeitlich weiterer Daten in zeitlich engere Daten ist prinzipiell nicht möglich. Durch Verwendung bestimmter Indikatoren (z. B. "Komprimierung") können kleinere Zeitintervalle aus größeren Zeitabschnitten simuliert werden. Diese Simulationen sind ungenau und ersetzen nicht vollständige Kurshistorien in der kleineren Komprimierung.
Welche Komprimierung sinnvoll ist, hängt vom Anlagehorizont für das zu entwickelnde Handelssystem ab.
Verbreitet ist die Systementwicklung auf der Basis von Tageskursdaten (EOD) oder Intraday-Tickdaten.
Überoptimierung
Was ist Optimierung ?
Optimierung soll die bestmögliche Lösung für ein spezifisches Problem finden.
Optimierung ist jede Form der Problemlösung, bei der aus mehreren Lösungsvorschlägen eine Variante ausgewählt wird.
Entwickler von Handelssystemen optimieren z.B. Parametereinstellungen von Indikatoren ( z.B. Periodenanzahl ), Einstellungen von Stops oder die Höhe des benötigten Kapitals.
Die Werte werden an die individuellen Bedingungen desjenigen angepaßt, der das System handeln wird.
Kann man Optimierung bedenkenlos einsetzen ?
Nein, bei der Optimierungen von Handelssystemen besteht das Risiko der Überoptimierung (Curve-Fitting).
Dabei werden Werkzeuge der technischen Analyse für einen zu kleinen oder die aktuellen Marktbedingungen nicht mehr repräsentierenden Zeitraum optimiert. Überoptimierte Handelssysteme funktionieren während des Optimierungszeitraumes ausgezeichnet. Im praktischen Einsatz versagen sie.
Überoptimierung ist unter Systementwicklern gefürchtet. Einige Entwickler verzichten deshalb vollständig auf jede Art der Optimierung.
Jeder Markt und jedes Wertpapier verhält sich individuell. Viele Handelsmöglichkeiten, werden von Indikatoren mit Standard-Einstellungen nicht erkannt. Durch völligen Verzicht auf Optimierung, berauben sich Trader vieler Chancen.
Kann man Überoptimierung vermeiden ?
Ja, indem man
- nur große Kursdatenausschnitte für die Optimierung verwendet (Optimierungen am längstmöglichen repräsentativen Zeitausschnitt)
- möglichst viele Trades analysiert ( bei wenigen Trades beeinflussen Einzeltrades das Ergebnis zu stark)
- die Anzahl der zu optimierenden Parameter und Regeln begrenzt (je kleiner der Optimierungszeitraum, desto weniger Parameter dürfen optimiert werden)
- nicht nur auf einen Titel optimiert
- die Optimierungsergebnisse an Daten aus einem Kontrollzeitraum ohne Optimierung testet
- die Optimierungsergebnisse zusätzlich statistisch auswertet
- möglichst zeitnahe Kursdaten für Optimierungen verwendet.
Ein zu optimierender Datenfeed sollte außerdem:
- Bullen-und Bärenmärkte enthalten
- Trendphasen und trendlose Phasen aufweisen
- Crash-Szenarien berücksichtigen
Welche Arten der Optimierung gibt es ?
Bitte auf das Bild klicken,
um es zu vergrößern.
Was wird statistisch analysiert und warum?
Durch statistische
Analysen der Systemergebnisse wird festgestellt, ob der
Markt sich seit den Tests gravierend verändert hat.
Das Risiko des Curve Fittings wird bei Systemen mit optimierten
Parametern minimiert.
Bei sorgfältig analysierten Systemen ist es wahrscheinlicher,
dass sie in der Praxis funktionieren.
Auswertungen der Systemstatistik müssen auch noch vorgenommen
werden, wenn Systeme gehandelt werden.
Marktveränderungen lassen sich durch zeitnahe Auswertungen
rechtzeitig erkennen und das System kann angepasst werden.
Ein Beispiel für fortlaufende Auswertungen sind Walk-Forward-Statistiken.
Die Systeme werden entwickelt, getestet, optimiert und dann
einen bestimmten Zeitraum (z.B. 1 Jahr bei EOD-Systemen)
praktisch gehandelt. Nach Ablauf des Handelszeitraumes wird
dieser in den Optimierungszeitraum integriert. Das System
wird erneut getestet, optimiert und danach für einen
weiteren Zeitraum gehandelt usw.
Für statistische
Auswertungen gilt allgemein:
Handelssysteme mit einer größeren Anzahl von
Trades sind statistisch relevanter, als Systeme mit wenigen
Trades.
Je größer der Anteil des Curve-Fittings, desto
schwieriger ist es, statistische Relevanz zu erhalten.
Der Netto-Profit
allein ist zur Bewertung eines Handelssystems nicht geeignet.
Er gibt keinen Aufschluss darüber welcher Prozentsatz
aller Trades profitabel war, wie groß zwischenzeitlich
anfallenden Verluste gewesen sind oder wie lange das System
im Markt investiert war.
Die Kenntnis möglichst
vieler Systemcharakteristika ist für Trader bedeutsam,
um schon vor dem praktischen Einsatz eines Handelssystems
festzustellen, ob sie mit allen Eigenschaften des Systems
zurecht kommen. |
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