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Wie gut sind Dividenden-Strategien?

von Anke Sacharow

Dividenden sind der neue Zins!

 

So oder ähnlich klingen aktuell die Schlagzeilen in den Medien.
Deshalb steigt bei vielen Anlegern das Interesse an Dividendenstrategien.

In der Werbung hört sich immer alles gut an - aber leider sind die Aussagen dort selten belegt.

Man tut deshalb gut daran, Handelsstrategien immer selbst zu testen, bevor man sie einsetzt.

Ich wollte für 4 beliebte Dividendenstrategien folgendes wissen:

  • Waren die Strategien in den letzten Börsenjahren überhaupt profitabel?
  • Welche Renditen hätte ich erzielt, wenn ich die Strategien gehandelt hätte?
  • Welche Risiken hätte ich akzeptieren müssen?
  • Hätten Dividendenstrategien besser performed als der Dax-Index?
  • Wie gut sind Dividendenstrategien, wenn man sie mit Handelssystemen auf Basis der technischen Wertpapieranalyse vergleicht?

4 Dividenden Strategien werden geprüft

Ein paar Worte zu den Bedingungen, unter denen ich getestet habe:

  • Nicht berücksichtigt habe ich die Änderung der Zusammensetzung des Dax-Index.
  • Spesen und Slippage habe ich in Höhe von insgesamt 1,32 % eingerechnet. Jeweils 0,33 % gerechnet auf das Handelsvolumen für Enter und Exit und 0,33 % vom Handelsvolumen als Slippage
  • Meine Backtest-Software war Investox XL in der Version 7 mit dem Zusatzmodul Analyse Plus.
  • Für die Tests habe ich Kursdaten von Lenz und Partner verwendet. Dieser Kursanbieter liefert im EOD Basis-Abonnement für alle Dax-Aktien auch die Information, wann und in welcher Höhe Dividenden gezahlt wurden.

Hier kann man es im Chart der Beiersdorf AG schön sehen. Der untere Teilchart ist der ganz normale Candlestick-Chart mit den Kursen. Im oberen Teilchart wird die Dividende angezeigt.

Candlestick Chart der Beiersdorf AG mit gezahlter Dividende

Berechnung der Dividendenrendite

 

Basis aller getesteten Strategien ist die Dividendenrendite, die sich aus der pro Aktie gezahlten Dividende geteilt durch den Kurs der Aktie * 100 ergibt

Berechnet und verglichen wird die Dividendenrendite immer zum Jahresende, weil dann für alle Aktien die Dividendenzahlungen erfolgt sind.

Eine hohe Dividendenrendite soll anzeigen, dass die  Aktie unterbewertet ist und günstig eingekauft werden kann.

Schon sind wir beim ersten Strategie-Test:

Dogs of the Dax :: Dividenden Strategie 1

Die ursprüngliche Strategie nennt sich Dogs oft he Dow – wurde also für den Dow Jones entwickelt.

Die Strategie ist denkbar einfach:

Immer am ersten Handelstag eines jeden neuen Jahres werden die 10 Aktien eines Index mit der höchsten Dividendenrendite gekauft.
Die Aktien werden bis zum letzten Handelstag des Jahres gehalten.
Dann erfolgt die Neubewertung.

So sieht das Ganze fertig programmiert aus:

 

Dividendenstrategie_dogs_of_the_dax

 

Ganz links stehen die 30 Dax-Titel.

Dann folgt das Handelssystem mit den 10 aktuellen Long-Positionen.

An dieser Stelle vielleicht noch der Hinweis:

Alle vorgestellten Dividenden-Strategien erlauben ausschließlich Long-  Trades.

Rechts daneben dann noch eine Signalspalte mit den Werten der Dividendenrendite. Damit kann man schön prüfen, dass auch tatsächlich immer die 10 Aktien mit der höchsten Dividendenrendite gekauft werden.

Im Chart auf der rechten Seite wird alles auch visuell noch einmal dargestellt.

Der oberste Teilchart zeigt den Rang der Dividendenrendite an. Immer wenn dieser Rang unter oder auf der waagerechten rote Linie bei 10 liegt, muss das System im Markt sein. Also immer in den hellgrünen Phasen im obersten Teilchlart, muss im Kurschart eine Long-Position bestehen. 

Jetzt folgt der erste Systemtest. Getestet habe ich die Dividendenstrategien über 18 Jahre im Zeitraum vom 01.01.1999 bis 31.12.2016. Das Portfolio-Startkapital betrug 30.000,-- EUR – also 3000,-- EUR pro Aktie.

Die Strategie ist profitabel.

Es wurde ein Profit in Höhe von 45.425,83 EUR erwirtschaftet.
Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Rendite in Höhe von 5,26 % .
Allerdings lag der Drawdown bei über 51 %.

Nachteile von Dividenden Handelssystemen

Am hohen Drawdown erkennt man schon den ersten Nachteil von Dividenden-Strategien.

Die Strategien sind immer zu 100 % Long im Markt investiert.
Sie enthalten kein Risikomanagement und keine Möglichkeit zum Ausstieg vor dem Jahresende.
Fällt also die Aktie – oder schlimmer der ganze Markt- dann produzieren Dividendenstrategien zwangsläufig hohe Verluste

Chart von RWE hohe Dividendenrendite bei fallenden Kursen

Das ist besonders deshalb brisant, weil hohe Dividenden-Renditen rechnerisch auch aufgrund stetig fallender Kurse entstehen können.

Gut sehen kann man das im Chart auf der rechten Seite bei RWE – Seit 2008 geben die Kurse nach und gleichzeitig war die Aktie immer unter den 10 Aktien mit der höchsten Dividendenrendite.
Man kann sich also mit Dividendenstrategien auch Underperformer ins Depot holen.

Ebenfalls möglich sind hohe Branchen-Risiken ( z.B. überproportional viele Finanzinstitiute in der  Finanzkrise oder -vielleicht für 2018- besonders viele Auto-Aktien.

Wenn man  Dividendenstrategien einsetzen möchte, tut man deshalb gut daran, nicht nur die Dividendenrendite allein zu betrachten, sondern außerdem auch auf stetig steigende Kurse und Dividenden über die gesamte Historie zu achten.

Nachteile von Dividenden Strategie

Zukauf von Aktien bei einer Dividenden Strategie

Doch weiter mit den Strategietests:

Die Dogs oft he Dax-Strategie habe ich – wie alle folgenden Strategien auch immer noch mit der Erweiterung getestet, dass die nach dem Einstieg ausgeschütteten Dividenden reinvestiert werden- d.h. von der Dividende werden Aktien zugekauft.

Das Prinzip sieht man hier gut bei der Allianz- ursprünglich wurden 37 Aktien gekauft – dann gab es Dividende auf die 37 Aktien-  davon konnten 2 weitere Aktien gekauft werden, dann gab es Dividende auf die 39 Aktien , davon konnten 4 weitere Aktien gekauft werden.

Dax Ergebnis diese Nachkauf-Strategie, die auch unter dem Namen Hamster bekannt ist, weicht nicht sehr von der ursprünglichen Dogs oft he Dax Strategie ab. Lediglich der Drawdown fällt noch einmal deutlich höher aus – liegt jetzt bei 73,29 %.

(Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)

Die jährliche Rendite des Dax-Index betrug im Testzeitraum (Anfang 1999 bis Ende 2016)  4,7 %.

Sie wurde mit dem Dax-Rendite-Dreieck ermittelt, das regelmäßig vom Deutschen Aktieninstitut veröffentlicht wird.

Die folgenden beiden Dividenden-Strategien werden oft für kleinere Handelskonten empfohlen. Ich habe Sie deshalb mit einem Portfolio-Startkapital in Höhe von EUR 15.000,-- getestet.


Little Dogs of the Dax :: Dividenden Strategie 2

Hier werden von den 10 Dogs oft he Dax werden immer  nur die 5 Aktien mit dem größten Kursplus am letzten Handelstag des Jahres gehandelt.

 

Auch diese Strategie ist profitabel.

In der Hamster-Variante mit den reinvestierten Dividenden fällt der Profit allerdings besonders gering aus und der Drawdown ist besonders hoch.


Puppies of the Dax :: Dividenden Strategie 3

Diese Variation wurde vom Stocks &Commodities Magazine im Juli 2017 für den Dow Jones vorgestellt und von mir für die Dax-Aktien getestet.

Auch hier beträgt das Startkapital wieder 15.000,-- EUR. Von 10 Dogs oft he Dax werden diesmal nur die 5 Aktien mit den niedrigsten Kursen am letzten Handelstag des Vorjahres gekauft.


Goldesel :: Dividenden Strategie 4

Bei dieser Strategie werden alle Aktien gekauft, deren Dividendenrendite am letzten Handelstag des Jahres größer als 1,5 ist und deren Kurs kleiner als 30 ist.
Das können auch mehr als 10 Aktien sein - oder deutlich weniger.


Und nun das Endergebnis:

Erfahrungen mit Dividenden Strategien

Alle getesteten Dividenden-Strategien waren in der Vergangenheit profitabel und bis auf 2  Strategien schlagen alle Dividenden-Strategien auch den Dax in der jährlichen Performance.

Allerdings ist bei den Dogs, Puppies und Little Dogs Strategien die Outperformance nur gering.

Meine eigenen Backtests ergaben eine deutliche Performance-Abweichung nach unten im Vergleich zu den Renditen, die ich erwartet hätte.

Besonders schlecht schneiden die beiden Strategien für das reduzierte Startkapital ab, wenn für die ausgeschütteten Dividenden-Beträge immer gleich neue Aktien des Titels erworben werden.

Einer der Gründe für das schlechte Abschneiden sind die hohen Drawdowns im Vergleich zum Startkapital.

Bei geringerem Kapital dauert es deutlich länger, solche Rücksetzer wieder aufzuholen.

Ein weiterer Grund für die Rendite-Abweichungen nach unten könnte darin liegen, dass Spesen und Slippage möglicherweise von anderen Testern solcher Strategien nicht berücksichtigt wurden.

Hier sieht man gut, dass man Strategien, die auf einen anderen Markt entwickelt und getestet wurden und dort performen, nicht ungetestet übernehmen kann und sollte.

Beste Dividenden-Strategie war die Goldesel-Strategie, die im Jahr 2012 vom Magazine Focus-Money vorgestellt wurde. Auch in Kombination mit der ergänzend an gleicher Stelle vorgestellten Hamster-Strategie ist die Outperformance dieser Strategie im Vergleich zu den anderen Dividenstrategien deutlich.

Es könnte sich für Investoren lohnen, diese beiden Strategien weiter zu betrachten und zu verbessern.

Man könnte z.B. eine Risikobegrenzung einbauen und es würde sicherlich auch Sinn machen, die Kaufzeitpunkte durch Signale aus der technischen Wertpapieranalyse zu optimieren.

Dennoch:

Für Trader sind auch bei der Goldesel Strategie die Drawdowns einfach viel zu hoch und auch die Performance ist nicht wirklich attraktiv im Vergleich zu Handelssystemen mit Signalgebung auf Basis der technischen Wertpapieranalyse.

Allerdings muss man für die bessere Performance natürlich auch etwas mehr tun.

Es reicht hier definitiv nicht aus, nur einmal im Jahr auf das System zu schauen.


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