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Long / Short Trades Ratio

von Anke Sacharow

Die Long/Short-Trades Ratio kennzeichnet das Verhältnis von Long Trades zu Short Trades zueinander.

Für Handelssysteme die ausschließlich Investments in eine Trade-Richtung erlauben (Long only, Short only) ist die Kennzahl nicht berechenbar.

Für Handelssysteme mit Trades in beide Richtungen wird eine ausgeglichene Long/Short-Trades Ratio (ca. 0,5 bzw. 50 %) in der Literatur häufig als wesentliches Gütekriterium für die Robustheits des zu bewertenden Handelssystems benannt.

Hintergrund dieser Einschätzung ist die Beobachtung, dass Handelssysteme mit ähnlicher Verteilung von Long und Short Trades stabiler in wechselnden Trendrichtungen performen, als das bei Handelssystemen mit Übergewichtung einer bestimmten Trade-Richtung der Fall ist.

Der Nachteil der Verwendung eines starren Wertes für die Long/Short-Trades Ratio bei der Evaluierung von Handelssystemen besteht darin, dass damit das Verhältnis von Long- und Short-Sequenzen in der vorliegenden Kurshistorie unberücksichtigt bleibt.

Man erhält für Handelssysteme oft besser verlaufende Kapitalkurven in allen Zeiträume, wenn die Long/Short Trades Ratio in etwa dem Verhältnis von Long- und Short Sequenzen entspricht, wie es auch in der vorliegenden Kurshistorie enthalten ist.
Enthält die Kurshistorie des Underlyings eine Trendrichtung deutlich häufiger (z.B. primärer Aufwärtstrend im FGBL von 1990-2011), ist es von Vorteil, im Verlauf der Systementwicklung erweiterte Backtests an synthetischen Kursdaten durchzuführen, in denen die andere Trendrichtung übergewichtet wird ( Mirroring).

Wenn das Verhältnis von Aufwärtstrends zu Abwärtstrends in den historischen Kursdaten 70:30 beträgt, könnte die passende Long/Short Trades Ratio bei ca. 70 % bzw. 0.7 liegen.
An den gespiegelten Kursdaten dieses Marktes mit einem Verhältnis von 30:70 für Aufwärtstrends:Abwärtstrends könnte eine passende Long/Short Trades Ratio bei ca. 30 % bzw. bei 0.3 liegen.

Die Long/Short Trades Ratio muss für aussagekräftige Ergebnisse im Zusammenhang mit anderen Fitnesskriterien analysiert werden ( z.B. Nettoprofit, maximaler Drawdown der Kapitalkurve, Anzahl aller Trades, Steigung der Kapitalkurve ).
Die Bedeutung der Long/Short Trades Ratio als geeignetes Fitnesskriterium für die Evaluierung von Handelssystemen ist vom gewählten Handelsansatz abhängig.
Aussagekräftig ist die Kennzahl z.B. für Handelssysteme auf Pattern-Basis und für Marktbreite-Handelssysteme, wenn die Systemregeln sowohl Long als auch Short Positionen erlauben.

 

Grafik 1 - Kapitalkurve eines Beispiel-Handelssystems mit ausschließlich Long-Trades

Grafik 2 - gleiches Handelssystem wie Grafik 1 - Long/Short-Trades Ratio aber bei ca. 85 % bzw. 0.85 - entsprechend dem Verhältnis von Long- und Shortsequenzen in den historischen Daten

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