Was kann man mit Trading verdienen?


Was kann man mit dem Trading überhaupt verdienen?

Das ist die berechtigte Frage, die sich jeder ernsthafte Trader gleich zu Beginn seiner Karriere stellt.

 

Ich habe ein wenig auf YouTube und im Internet recherchiert.

Dabei habe ich viel Allgemeines von sehr guten Verkäufern gefunden und leider nichts Konkretes von guten Tradern.

Es ist jetzt Zeit, das zu ändern.

was_verdienen_trader

Die Frage „Was kann man mit dem Trading“ verdienen ist ziemlich ungenau.

Man kann deshalb auch gut ungenau darauf antworten.  Sehr beliebt ist z.B. Trades nur über sehr kurzer Zeiträume auswerten – einen Tag – 1 Woche – maximal einen Monat.

Das ist auch erstmal gar nicht falsch, sondern einfach nur unvollständig.

Falsch wird es aber dann, wenn jemand damit beginnt, die Ergebnisse kurzer Zeiträume auf  längere Zeiträume  hochzurechnen.  

Es gibt auf der Welt keinen Trader der nur gute Tage oder gute Monate hat.

Und es gibt auch keine Handelsstrategie, die in allen Marktphasen gleich gut funktioniert.

Und exakt deshalb sind solche Hochrechnungen auch immer Nonsens.

Vergessen Sie also alles zum Thema, was nur für kurze Zeiträume belegt wird – das bringt Sie bei der Beantwortung der Ausgangsfrage keinen Schritt weiter.

 

 

rendite_trading

Ebenfalls nicht weiter bringen Sie aufgepimpte Performance-Zahlen – wie z.B.

„Der Tradercoach XYZ  hat 10,82 % besser performed, als der Dax seit Beginn des Jahres.

Wenn wir uns nur mal die Dax-Performance für das Jahr 2018 anschauen – dann hat der Dax von Anfang Januar an so round about 17 % verloren.

Toll – der Trader ist dieses Jahr dann  „ja nur“ leicht über 6 % im Minus.

Aber ehrlich- wer sucht sich schon die Dax-Performance heraus.

 

Auch allgemeine Aussagen wie z.B.:

„Versuchen Sie einfach, kein Geld zu verlieren!“ – gern kombiniert mit hochgerechneter Performance -  helfen Ihnen nicht – jedenfalls nicht, wenn Sie wirklich traden wollen.

Glauben Sie mir:

Sie werden Geld verlieren.

Sie müssen sogar Geld verlieren.

performance_trading_realistisch

Einfach weil es Teil des Spiels ist und weil diese Verluste die Voraussetzung für künftige Gewinne sind. Und sie werden auch über einige Wochen und Monate hintereinander immer und immer wieder Geld verlieren. Es wird Ihnen dann sogar so vorkommen, als wenn Sie nur noch verlieren.

Drawdowns haben leider nicht die Eigenschaft, immer zur Monatsmitte zu Ende zu gehen, damit die Monats-Performance des Traders wieder stimmt.

Die Kunst ist beim Trading auch nicht, kein Geld zu verlieren.

Erfolgreicher Trader werden Sie nur, wenn Sie niemals mehr Geld verlieren, als Sie verkraften können.

verdienst_trader_vollzeit

Ebenfalls nicht weiter helfen Ihnen sämtliche Rechnereien, die ohne Erwähnung des eingesetzten Handelskapitals getroffen werden.
Klar hört sich +250 % besser an +50% .
Ich muss ja dazu nur von 20 K Startkapital für den Dax-Future anstelle von 100 K ausgehen.
Nur ist das leider unrealistisch und deckt heute nicht mal mehr die Margin ab.

 Genau das gleiche gilt für alle Zahlen, bei denen nichts zu Kosten und Steuern gesagt wird.  Performance vor Kosten?
Nett- aber wer lässt Sie schon umsonst traden?

Die Performance vor Steuer zu nennen, ist dagegen grundsätzlich erstmal ok. Die Kapitalertragssteuer greift ja z.b. in der Schweiz in anderer Höhe – deshalb ist die Vorsteuer-Performance beim Vergleich von Trading-Ergebnissen meist sogar aussagekräftiger.

Nur muss es eben klar kommuniziert werden, dass es sich um Vorsteuer-Performance handelt und die Trader sich davon selbst noch Kapitalertragssteuer, Soli und Kirchensteuer abrechnen dürfen.     

rendite nach steuer trading

Da wir nun also wissen, welche Antworten zwar sehr hohen Unterhaltungswert haben, uns aber leider nicht weiter helfen- konkretisieren wir am besten mal die Frage bzw. machen 3 Fragen aus einer. :

  • Was ist für einen aktiven systematischen Trader eine realistische jährliche und monatliche Performance?
  • Wieviel Kapital benötigt man dafür?
  • Kann man vom Trading leben?

Um für sich eine realistische jährliche Performance ermitteln zu können, braucht man zunächst mal einen Live-Track Record der länger als ein Jahr ist.

Damit sind jetzt wohl leider 95% der Leute aus dem Spiel, die bisher immer so schön erklärt haben, was man so beim Traden verdienen kann – oder könnte – oder können sollte.

Aber das ist ja nicht mein Problem.

Ich habe einen durchgehenden Track-Record über 5 Jahre mit inzwischen 2353 Live-Trades im Dax-Future. 

Daran werde ich alle 3 Fragen ganz konkret beantworten.

Ich denke es ist okay, wenn ich das FDAX-System als Basis nehme, weil ich dafür einfach schon am längsten alle Trades im Performance Blog veröffentliche, die vom Handelssystem zu Interactive Brokers geschickt werden -  nämlich durchgehend seit  Oktober 2013.

Aufgeschlüsselt pro Kalenderjahr ergeben sich  diesen über 2000 Trades folgende Netto-Profite nach Spesen und Slippage:

verdienst_trader_pro_jahr

kapitalbedarf_trading_fdax

Etwas über 50.000,-- EUR beträgt aktuell die Overnight-Margin für den Handel von 2 FDAX-Kontrakten bei IB.

Nochmal den gleichen Betrag drauf brauche ich allerdings, um Drawdowns relaxed durchstehen zu können.

 Meine Mindest-Kontogröße für den Handel dieser Systemvariante liegt also bei 100 K EUR.

Das war nicht immer so- im Jahr 2013 war die Margin für einen Overnight-Kontrakt noch deutlich kleiner. Sie lag zeitweise sogar unter 10.000,-- EUR.

Damals habe  ich dieses System noch mit weniger Kapital traden können, was natürlich zu höheren  Renditen führt.

Aber wir leben im Hier und Jetzt – und setzen deshalb für die Rendite-Rechnungen auch die aktuellen 100 K Kapital an.

Aber auch heute ist das 60-Minuten Dax-Future-Handelssystem nicht nur etwas für die Trader mit den großen Konten. Es ist nämlich auch im Mini-FDAX und auch ohne Overnight Risk handelbar.

Dann braucht man für dieses System weniger als 10.000 EUR freies Handelskapital.

 

Kapitalbedarf_trading_mini_fdax

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Etwas über  286.000,-- EUR Profit hat mein Handelssystem von Ende Oktober 2013 bis Mitte November 2018 ertradet.

Ab dem 01.01.2014 entspricht das einer durchschnittlichen jährlichen Brutto-Rendite in Höhe von 53,98 % .

Darauf fällt aber noch Kapitalertragssteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer an, so dass der Netto-Profit bei 210.581,49 EUR liegt.

Das entspricht dann für die vergangenen 5 Jahre einer durchschnittlichen jährlichen Rendite nach Kosten und Steuern in Höhe von 39,75 %.

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Pro Monat sind das dann 3,31 % Rendite – wobei man nicht vergessen darf, dass das System vor Abzug der Steuer ja 4,5 % monatliche Rendite erwirtschaften musste, um danach bei den 3,31 % zu landen.

Auch deshalb ist manchmal die Rendite vor Steuern aussagekräftiger.

verdienst_trader_pro_monat

 

automatische Handelssysteme

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Die ersten beiden Fragen nach einer realistischen monatlichen und jährlichen Performance für einen Trader und nach dem Startkapital dafür sind damit beantwortet.

Jedenfalls für ein Handelssystem und für eine Traderin.

Belegt ist damit auch, dass man durch das aktive Traden höhere Renditen erzielen kann, als das bei anderen seriösen Kapitalanlagen der Fall ist.

Und genau deshalb betreibe ich auch all den  Aufwand bei der Entwicklung meiner Handelsstrategien.

Klar abgrenzen muss man an dieser Stelle übrigens das aktive Trading vom Value Investing.

Dass beidem Käufe und Verkaufe von Wertpapieren über die Börse zugrunde liegen, ist so ziemlich die einzige Gemeinsamkeit beider Kapitalanlagen.

Die Renditen sind deshalb absolut nicht miteinander vergleichbar – auch wenn das immer wieder gemacht wird.

Und natürlich ist die Performance erfolgreicher Value-Investoren herausragend und vor allem oft auch konstant über viele Jahrzehnte belegt.

Aber auch für überzeugte Value-Investoren kann natürlich ein gutes Trading-System als Beimischung für vergleichsweise kleine Kapitalbeträge im Portfolio Sinn machen.

So – ich schweife aber ab. Eine Frage ist noch offen – nämlich:

Kann man vom Trading leben?

Die Antwort auf diese Frage fällt natürlich immer individuell aus, weil sich die Ansprüche und Fixkosten der Trader ja stark voneinander unterscheiden.

 

verdienst_trader_vor_nach_steuern

Ich für mich kann sagen, dass ich vom Handel dieses einen Systems zur Not natürlich hätte leben können.

Ich hätte mich aber einschränken müsste, wenn ich nur dieses eine System gehabt hätte.

 

Realistisch ist es übrigens auch bei algorithmischen Handelssystemen mit vollautomatischer Orderaufgabe nicht, dass ein anderer Trader damit das gleiche Ergebnis erzielt.

Warum das so ist, ist aber Thema eines neuen Blog-Artikels.

An dieser Stelle nur soviel:

Man muss sich einarbeiten,  braucht ausreichend Durchhaltevermögen und Handelskapital und auch etwas Routine im Umgang mit dem System.

Last but not least: Nur weil jemand bisher vom Traden leben konnte, heißt das noch lange nicht, dass das auch in Zukunft immer so sein wird.

Börsengewinne der Vergangenheit garantieren keine Gewinne in Zukunft

Börsengewinne sind nicht planbar

Börsengewinne sind nicht planbar.

Und ob man davon leben konnte, weiß man immer erst dann ganz genau, wenn man davon gelebt hat.

Für mein Sicherheitsempfinden war es z.B. immer gut, mindestens 1 Jahr aus meinen sonstigen finanziellen Reserven überleben zu können, ohne mich irgendwie einschränken zu müssen, wenn mir jetzt sofort alle Einnahmen wegbrechen.

In diesem Sinne - allzeit gute Trades für Sie und natürlich auch für mich.


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