Track Record im Trading - darum zeigen Trader ihn nicht gern

So gut wie jeder professionelle Trader oder Trading-Coach wird irgendwann nach seinem Track-Record gefragt.

Viele Anbieter von Trading- Ausbildungen, Seminaren, Signaldiensten oder Handelsystemen geben ihre Track Records aber entweder gar nicht oder nur sehr ungern heraus.

Warum ist das eigentlich so?

Und sollte man Anbieter ohne Track Record besser meiden, weil sie unseriös sind?

Was ist ein Track record im Trading?

Was ist ein Track Record im Trading?

Track Record heißt wörtlich übersetzt:

Erfolgsgeschichte.

In der Finanzwelt wird der Begriff verwendet um die Leistungen zu dokumentieren, die Vermögensverwalter, Fonds oder Trader mit ihren Aktivitäten an den Finanzmärkten erzielt haben.

Ein erfolgreicher Track Record kann dazu beitragen, das Image einer Geldanlage oder eines Finanzdienstleisters zu steigern.

Aus der Länge seines Track Records kann man ableiten, wie erfahren ein Trader ist und wie gut er sich bisher im Markt behaupten konnte.

Im Trading wird das Aufzeichnen sämtlicher Signale einer bestimmten Handelsstrategie als deren Track-Record bezeichnet.

Wie muss ein gültiger Track Record aussehen?

Ein Track Record sollte für jeden Trade mindestens folgende Informationen liefern:

  • den exakten Ein- und Ausstiegszeitpunkt mit Datum und Uhrzeit
  • den Ein- und Ausstiegskurs
  • die gehandelte Stückzahl
  • die Richtung des Trades
  • den Profit oder Verlust für den Trade
  • die Höhe der Ordergebühren und Slippage
  • Informationen zum Broker über den die Order umgesetzt wurde

Track Record Trading :: Bestandteile

Gute Trading-Software erzeugt automatisch Track Records mit allen nötigen Angaben.
Ich setze dafür die Software Investox Order Plus ein.

Beim manuellen Trading kann der Track Record aus den Orderausführungen des Brokers ermittelt werden.
Das kann aber besonders dann aufwändig sein, wenn verschiedene Handelsstrategien gleichzeitig gehandelt werden.

Der Track Record muss

  • Lückenlos sein. Im Orderbuch von Investox bekommt jeder Trade zu diesem Zweck eine Nummer.
  • Er muss über einen ausreichend langen Zeitraum gezeigt werden und
  • er muss genug Trades enthalten, um aussagekräftig zu sein.

 

Track Record Trading :: Eigenschaften

 

Hier stellt sich die Frage – was genau sind "genug" Trades und was ist ein "ausreichend langer" Zeitraum.
Von statistischer Signifikanz spricht man ab 30 Trades.
Das ist aber viel zu wenig für einen aussagekräftigen Track-Record.
Besser sind mindestens ein paar 100 Trades.

Man muss hier auf die Komprimierung der Handelstrategie achten.
Ein Handelssystem mit wöchentlicher Komprimierung macht vielleicht 40 Trades im Jahr - wenn–überhaupt. Um hier auf ein paar 100 Trades zu kommen, müsste man die Strategie schon 5 Jahre oder mehr tracken.

Auch die Frage nach dem ausreichend langen Zeitraum ist nicht ganz einfach zu beantworten.
Von großer Bedeutung ist es aber, dass mit dem Track Record die Performance der Strategie in verschiedenen Marktphasen beurteilt werden kann.

Was nützt der Track Record dem Kunden?

Der Kunde kann aus dem Track-Record des Traders folgendes erkennen:

  • Der Trader hat eine Handelsstrategie.
  • Der Trader hat so viel Vertrauen in seine Strategie, dass er sie selbst aktiv, konstant und erfolgreich handelt.
  • Die Strategie des Traders enthält keinen Zukunftsblick.
  • Die Strategie des Traders ist nicht überoptimiert.
  • Die Strategie des Traders bleibt bei Berücksichtigung der tatsächlich anfallenden Transaktionskosten profitabel.
  • Die Strategie des Traders ist über lange Zeit unter vielen verschiedenen Marktbedingungen profitabel.
  • Die Höhe, Dauer und Häufigkeit der Drawdowns im Track Record zeigt an, wie gut das Risikomanagement der Handelsstrategie funktioniert.
  • Man erkennt aus dem Track Record die Trade-Frequenz, die Handelszeiten, die Haltedauer der Trades und die Tageszeiten zu denen Erträge oder Verluste anfallen.

Mit Hilfe der Informationen aus dem Track Record kann ein Kunde besser einschätzen, ob eine Handelsstrategie für seine Kontogröße, für sein Risikoprofil und für seinen Tagesablauf geeignet ist.

Er kann auch besser einschätzen, ob ihm der Handelsstil eines Traders oder Trading Coaches liegt.

 


Warum Trader keine Track Records veröffentlichen - Das Video zum Blog-Artikel

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Track Record Trading :: Grafik 1

Warum zeigen viele Trader ihre Track Records nicht?

Das sind doch viele Vorteile für den Kunden.

Warum also geben dann nicht alle Anbieter gern und freiwillig ihre Track Records heraus?

Meist gibt es dafür gute Gründe:


Grund 1 :: Anbieter ohne Track Record sind Betrüger.

Track Record Trading :: Grafik 2

Es gibt viele Angebote rund um das Trading und natürlich sind auch unseriöse darunter.

Deshalb ist es gut, wachsam zu sein.

Für unseriöse Anbieter ist es heute aber schwer, noch Geld mit ihren Angeboten zu verdienen. Die Kunden sind sehr aufgeklärt und tauschen auf ganz verschiedenen Kanälen ihre Erfahrungen untereinander aus. Betrügerische Angebote werden meist schnell erkannt und verschwinden dann vom Markt.

Je länger ein Anbieter schon am Markt ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass er ein Betrüger ist.

Die Aussagen von Tradern zu ihren Marktaktivitäten lassen sich mit der WayBack-Machine für Internetseiten leicht überprüfen.
Wenn man hier Unstimmigkeiten entdeckt, sollte man sie hinterfragen.

Die Wayback-Maschine findet man  unter dem Link  https://web.archive.org.

Ein besonderes Qualitätskriterium ist es, wenn der Anbieter schon vor der Finanzkrise im Jahr 2007  im Markt aktiv war.


Grund 2 :: Kein Track Record - kein Trading. Der Anbieter handelt selbst gar nicht.

Dieses „selbst gar nicht handeln“ wird oft gleichgesetzt mit Betrug.

Man  argumentiert, dass ein Trader oder Coach nur dann sein Know How erfolgreich an Dritte weitergeben kann, wenn er es auch selbst praktisch einsetzt.
Macht er das nicht, taugt das Angebot nicht.
Würde es nämlich was taugen, dann würde es der Anbieter ausschließlich selbst nutzen und sein Wissen dazu für sich behalten.

Ich bin anderer Ansicht und möchte zur Begründung einen Vergleich aus dem Sport bringen.

Joachim Löw hat selbst nie in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gespielt.

Er trainiert sie dennoch seit vielen Jahren erfolgreich.

Es kann unendlich viele Gründe dafür geben, dass Anbieter guter Coachings oder Handelssysteme diese nicht selbst handeln können oder wollen.

So lange sie das offen kommunizieren, kann man sie nach den Gründen fragen.

Sind diese überzeugend und nachvollziehbar, spricht es auch nicht gegen die Kompetenz des Anbieters, wenn er  selbst nicht handelt.

cta :: Automatische Handelssysteme


Grund 3 :: Der Trader will keine unrealistischen Erwartungen bei seinen Kunden wecken.

Nehmen wir mal an, ein Anbieter ist ein außerordentlich erfolgreicher Trader, der jedes Jahr sein Kapital verdoppelt.
Das gelingt weltweit nur einer Hand voll Tradern.

Nehmen wir weiter an, der erfolgreiche Trader lehrt seine Methode oder verkauft sein System an andere Trader, die damit dann nur 50 % im Jahr machen.

Das ist dann immer noch ein High-Class-Ergebnis.

Oder der Trader macht nur konstante 20 % pro anno und ist damit immer noch besser als die meisten Fonds-Manager.

Dennoch wird er tief enttäuscht sein und den Erfolg des Handelssystems oder Coachings in Frage stellen- und zwar nur deshalb, weil er nicht auch 100% pro anno gemacht hat.

Dabei ist es egal, dass er nach anderen Standards auch mit 20 % p.a. sehr erfolgreich ist- er wird trotzdem tief enttäuscht sein.

 

Track Record Trading :: unrealisitische Erwartungen

Man kann also nur durch einen Track Record aus einem eigentlich zufriedenen Kunden ganz leicht einen Kunden machen, der von seinem Handelsergebnis bitter enttäuscht ist und der plötzlich daran zweifelt, ob das Coaching sinnvoll war oder ob er das Handelssystem richtig einsetzt.

Es ist übrigens nicht von Bedeutung, ob man manuell oder mit vollautomatischer Orderumsetzung handelt– die Ergebnisse werden zwischen 2 Tradern immer voneinander abweichen.

 

Oder nehmen wir das andere Extrem: Jemand handelt sein System sehr konservativ, mit geringen Stückzahlen und kleinen Drawdowns und macht damit durchschnittlich 10 % p.a.

Jeder sieht den Track Record und denkt sich – na ja 10 % - das ist nicht wirklich viel – lohnt den hohen Preis für das System nicht.

Ein anderer Trader mit etwas mehr Risikofreude könnte mit dem System aber deutlich höhere Profite erzielen.

Er zieht diese Handelsstrategie aber aufgrund des Track Records für sich gar nicht in Betracht.

 Track Record Trading :: unrealistische Erwartungen

 

Jeder Track Record weckt beim Betrachter immer die falsche Erwartung, er oder sie könne das System mit gleichem Ergebnis traden.
Das ist aber unrealisitsch.
Jeder Trader handelt seine Strategie immer angepasst an die eigene Persönlichkeit, den eigenen Wissenstand und die eigenen finanziellen Rahmenbedingungen.


Grund 4 :: Rechtliche Einschränkungen verbieten die Veröffentlichung von Trading-Ergebnissen.

Dieser Punkt kann besonders für Trader oder Coaches bedeutend sein, die auch Kundengelder verwalten.

Besondere Bedingungen in den Verträgen von Vermögensverwaltern oder Hedge Funds verbieten meist die Veröffentlichung der Trades.

Das dient dem Schutz der Kunden – aber auch dem Schutz des Verwalters oder Fonds.

Diese laufen dann nicht Gefahr, sich für jeden einzelnen Trade rechtfertigen zu müssen oder ihn gegenüber aufgebrachten Kunden erklären zu müssen.

Nur wenn sie davor geschützt werden, können sie ihre Trading-Strategien weiter konsequent umsetzen.

Track Record Trading :: rechtliche Einschränkungen


Grund 5 :: Dem Trader entsteht ein hoher Verwaltungsaufwand.

Track Record Trading :: hoher Verwaltungsaufwand

Speziell dann, wenn man verschiedene Strategien über Konten bei verschiedenen Brokern handelt und wenn man nicht in der komfortablen Lage ist, dass die Handelssoftware alles fertig zur Veröffentlichung mittrackt.
Dann fängt man vielleicht an Trades zu sortieren, Charts zu beschriften, Kapitalkurven zu separieren – und ist damit so beschäftigt, dass man nicht mehr zum Traden kommt oder jemanden einstellen müsste.
Selbst wenn einem die Chartsoftware vieles abnimmt, muss man den Track-Record veröffentlichen, etwas  dazu schreiben, den Beitrag bewerben, monitoren und -ganz klar- natürlich auch Fragen dazu beantworten.
Das alles bindet Zeit und Ressourcen, die nicht jedem Trader ausreichend zur Verfügung stehen.


Grund 6 :: Trading Track Records können leicht gefälscht werden.

Dieses Argument lässt sich nicht entkräften.

Es ist auch völlig egal, ob Trading-Track-Records von Dritten legalisiert oder testiert sind, ob man den Trader scheinbar beim Einloggen in sein Konto beobachten kann oder ob über externe Plattformen getrackt wird.

Wo ausreichend kriminelle Energie vorhanden ist, wird sie einen Weg zum Betrug finden.

Das ist nicht erst seit Berhard Madoff bekannt und gilt immer und für alle Produkte und Dienstleistungen, die es auf der Welt gibt.

Aber was wäre die Alternative? Deshalb gar nichts mehr zu veröffentlichen oder zu produzieren?.

Ich denke, man tut gut daran um die Geduldigkeit von Papier und die Möglichkeiten von Photoshop & Co. zu wissen.

Keine Entscheidung für oder gegen einen Anbieter sollte allein deshalb getroffen werden, weil ein Track Record veröffentlicht wird oder nicht.

Besser ist es, Track Records immer im Zusammenhang mit allen anderen verfügbaren Informationen zu betrachten.

Track Records Trading :: nicht fälschungssicher


Grund 7 :: Die Trading-Strategien werden durch die Track Records offen gelegt.

Track Record Trading :: Strategie ableiten

Das stimmt nicht.

Handelsstrategien lassen sich selbst mit High-End Data Mining und Analysesoftware aus getrackten Trade-Ausführungen nicht rückableiten.

Eine wirklich robuste Strategie hat dazu zu viele Bestandteile.

Verzögerungen in der Signalausführung, Slippage, gleichzeitig auftretende Signale aus verschiedenen Teilregeln, abweichende Kursdaten, der Trader im mal Kurzurlaub, haupt- oder nebenberuflicher Handel, eine kleine Unachtsamkeit – das alles und viel mehr beeinflusst den Track Record und macht es unmöglich, die unterliegende Handelstrategie allein durch die Analyse der Ein- und Ausstiege herauszufinden.


Grund 8 :: Dem Trader entsteht eine zusätzliche Belastung in Drawdown-Phasen.

Track Record Trading :: zusätzliche Belastung Trader

Auch kein unwichtiger Grund dafür, dass Trader und Coaches ihre Track Records lieber nicht veröffentlichen- sind die Phasen, in denen das Trading mal nicht gut läuft.

Solche Phasen sind normal und kommen bekanntlich in allen Handelssystemen vor.

Auch wenn man schon lange handelt- jeder Drawdown ist belastend und sorgt beim Trader nicht gerade für die beste Laune.

Das letzte was man dann noch brauchen kann, sind Leute, die auf den Track-Record verweisen und sagen:

"Im aktuellen Markt funktioniert das Handelssystem nicht mehr – das kann man jetzt nicht mehr kaufen."




Grund 9 :: Schutz der Privatsphäre.

Track Record Trading :: Schutz Privatsphäre

Nicht jeder Trader möchte, dass alle Nachbarn über seine Aktivitäten und seine Erfolge Bescheid wissen.
Unwissen und Neid könnten sonst schnell dazu führen, dass man seinen guten Ruf verliert.
Vielleicht wird man vom Umfeld als verantwortungsloser Zocker oder Krisengewinnler gesehen obwohl es in Wirklichkeit nur wenige Tätigkeiten gibt, bei denen man vergleichbar schnell und hart für seine Fehler gerade stehen muss wie beim aktiven Trading.

Erfolg weckt schnell die Begehrlichkeiten anderer und macht angreifbar.


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