Performance Check 2020 .... und Ausblick auf 2021


für das FDAX und Mini-FDAX 60-Minuten Handelssystem

 

In der vergangenen Woche habe ich aufmerksam folgenden Dialog zwischen Bürger und Abgeordnetem mitgelesen:

https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/lothar-binding/fragen-antworten/551614

Die Antwort des Abgeordneten Lothar Binding stelle ich meinem aktuellen Performance-Report für das FDAX- und Mini-FDAX 60-Minuten Handelssystem zunächst mal einfach unkommentiert voran.
Ich werde darauf am Ende dieses Blog-Beitrags Bezug nehmen.

Zusätzlich zu den „nackten“ Handelsergebnissen der beiden Futures-Handelssysteme im Zeitraum vom 01.01.2020 bis 01.09.2020 mache ich diesmal noch ein kleines

Was wäre wenn …? – Spiel.

Die konkreten Fragen meines Planspiels lauten:

Was wäre gewesen, wenn das Handelsjahr am 01.09. zu Ende wäre und wenn wir anstelle des Jahres 2020 schon das Jahr 2021 schreiben würden?

Zuerst kommt hier die Auswertung für mein FDAX- 60-Minuten Handelssystem - wie üblich in der Systemvariante mit overnight risk und mit leichter Pyramidisierung:

 
 

Gehandelt habe ich maximal 2 Kontrakte im Dax-Future mit einem Startkapital in Höhe von 120.000,-- Euro.

Vom 01.01.2020 bis zum 01.09.2020 wurden 234 Trades (Round Turns) gemacht.

Davon waren 102 Trades Gewinnntrades und die anderen 132 Trades waren Verlierer.

Das ergibt eine Trefferquote von 43,59 %.

steuer-termingeschaefte-2021-grafik1

steuer-termingeschaefte-2021-gewinner-verlierer-kosten

Vom 01.01.2020 bis 01.09.2020 konnte ich Gewinne in Höhe von insgesamt
EUR 196.867,-- realisieren. Dafür musste ich Verluste in Höhe von EUR 136.794,-- akzeptieren.
Gewinne zu realisieren ohne gleichzeitig Verluste in Kauf zu nehmen, ist nicht möglich. Verluste sind systemimmanent  und elementare Voraussetzung für die auf sie folgenden Gewinne. Die zeitliche Reihenfolge von Gewinnen und Verlusten ist nicht planbar. Erfolgreiche systematische Handelsstrategien begrenzen konsequent die Höhe der Verluste und lassen Gewinne möglichst lange laufen. Das führt dazu, dasss die Summe der Gewinne die Summe der Verluste übersteigt und unter dem Strich ein Bruttoprofit verbleibt.

In meinem Fall sind das bisher im großen FDAX im Jahr 2020 insgesamt
Brutto EUR 60.073,--.

Das ist für dieses Handelssystem ein normales Ergebnis, wie ich es vergleichbar schon seit dem Jahr 2014 damit erziele.

Handeln lässt mich der Broker natürlich nicht umsonst. Die Summe aller Verluste enthält deshalb natürlich auch meine Transaktionskosten.

Der folgende Slider listet alle meine Einzeltrades seit Anfang Januar 2020 auf. Damit kann jeder daran Interessierte meine folgenden Rechnungen selbst nachvollziehen.

Die Auswertung entstammt meiner Ordersoftware ( Investox Order Plus) und liegt getrennt nach Ein- und Ausstiegen vor.
Blau markiert habe ich immer den letzte Trade der vorherigen Seite, damit die Vollstänigkeit prüfbar ist.

Ein Mausklick auf die angezeigte Slider-Grafik vergrößert die Grafik.

Und hier folgt meine Depot-Kapitalkurve aus Investox Order-Plus mit der Kapitalentwicklung seit Anfang Januar 2020:

Depot-Kapitalkurve Dax-Future

 

Soweit die nackten Fakten - jetzt kommen die ersten 3 Planspiele:

1 :: Was wäre wenn... das Handelsjahr 2020 jetzt zu Ende wäre?

 

Es wäre ein weiteres erfreuliches Handelsjahr für mich gewesen - und für den deutschen Fiskus auch.

Auf meinen Bruttoprofit in Höhe von EUR 60.073,-- würden noch Kapitalertragssteuern in Höhe von 26,376 % (Soli + Kirchensteuer inklusive) anfallen.

Der Fiskus könnte sich über EUR 15.844,85 von mir freuen.

Mir würde nach Steuern noch ein schöner Nettoprofit in Höhe von EUR 44.228,15 verbleiben.

 

Steuer Termingeschäfte bis 2020

2 :: Was wäre wenn... wir 2021 hätten und das Handelsjahr jetzt zu Ende wäre?

Ich müsste als private Traderin auf einen fiktiven steuerlichen Gewinn in Höhe von EUR 186.867,-- Abgeltungssteuer in Höhe von 26,376 % zahlen, weil ich anstelle meiner tatsächlich realisierten Verluste nur noch EUR 10.000,-- von der Summe meiner Gewinne abziehen darf. Das würde dazu führen, dass ich rund 82,05 % meines tatsächlichen Bruttogewinns an den Fiskus abführen müsste - d.h. insgesamt EUR 49.288,04.

Bleiben würde mir ein Nettoerlös in Höhe von EUR 10.784,96 oder anders geschrieben rund 17,95 % meines Bruttogewinns.

Und da hätte ich noch RICHTIG Glück gehabt - es hätte durchaus bei etwas anderer Abfolge von Gewinn- und Verlusttrades auch gar nichts bleiben können - oder eine Steuerforderung in Höhe von mehr als 100 % meines  Bruttogewinns fällig werden können.

Ach ja - und ehe ich es noch vergesse: Für die kommenden 13 Jahre 2023 bis 2035 (so ich sie denn als Traderin erlebe) bleibt mir jeweils – ein Verlustvortrag in Höhe von maximal 10.000,-- EUR - zum Abstottern meiner tatsächlich realisierten Verluste aus dem Steuerjahr 2021.

Soweit die Theorie - und jetzt die Praxis:

Weil der für den Trader zu erwartende Nettoprofit nach Steuer deutlich unter den Gesamt-Transaktionskosten für die Trades liegt und zudem überhaupt nicht mehr der Höhe nach kalkulierbar ist, macht das Durchhandeln des Systems ab 2021 für keinen privaten Trader mehr wirtschaftlich Sinn. Lukrativ bliebe es theoretisch noch für den Fiskus und den Broker - aber ohne den handelnden Trader gehen auch diese beiden leer aus.

3 :: Was wäre wenn... wir 2021 hätten und das Trading bei 10K EUR Verlust gestoppt wird?

Das wäre dann ein sehr kurzes Handelsjahr gewesen.

Die EUR 10.000,-- Verlust waren nämlich schon am 15.01. um 16:00 Uhr erreicht.

Bis dahin wurden insgesamt 13 Trades gemacht.

Davon waren 7 Trades Gewinner und 6 Trades waren Verlierer.

Die Summe aller Gewinne betrug 7.882,50 EUR.

Die Summe aller Verluste lag bei EUR 9.279,50.

Daraus verbleibt ein Netto-Verlust für den Trader in Höhe von EUR 1.397,--.

Der Fiskus geht leer aus und fast genauso geht es dem Broker, dem nur wenige Euro Verdienst bleiben.

Steuer Termingeschäfte 2021 - Stop vor Erreichen von 10K EUR Verlust

4 :: Was wäre wenn... wir 2021 hätten und im Betriebsvermögen getradet worden wäre?

Für Trader mit größeren Handelskonten wäre das in der Tat ein Ausweg gewesen.
Gegenrechnen muss man die Gründungskosten für die Kapitalgesellschaft, die laufenden Kosten für die jährliche Buchhaltung und die erhöhten Kosten für die Kursdaten-Versorgung als "Professional".
Ich setze alles mal konservativ mit EUR 5.000,-- an.

Auf die Gewinne der GmbH sind Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer fällig.

Bei Entnahme der Gewinne fallen ebenfalls Steuern an. Das Geschäftsführer-Gehalt und die sonstigen Kosten verringern die Gewinne.

Hier hängt es stark von der Konstellation im Einzelfall ab, welche Steuern letztlich fällig werden.

Man sollte sich deshalb vor der Gründung verschiedene Szenarien von seinem Steuerberater durchrechnen lassen.

Ich rechne jetzt mal - ganz, ganz stark vereinfacht - mit 45 % Steuer, wenn die Kapitalgesellschaft keine Gewinne macht und das Geschäftsführer-Gehalt EUR 60.000,-- und zum Spitzensteuersatz zu versteuern ist.
Dann blieben dem Trader davon immerhin round about 33.000,- EUR, während ca. 27.000,-- EUR an den Fiskus gehen würden.

Das wären zwar mehr Steuern als aktuell, aber es ginge (zumindest für mich) in Ordnung, wenn Einkünfte aus Kapitalvermögen generell genauso besteuert werden, wie Einkünfte aus z.B. angestellter Tätigkeit. 

Für Trader mit tieferen Taschen gibt es also den Ausweg, ab dem kommenden Jahr einfach im Betriebsvermögen weiter zu traden.

 

Aber wie sieht es für private Trader mit deutlich geringerem Handelskapital aus?


Für diese Gruppe liefert das Mini-Dax-Future 60-Minuten Handelssystem ohne Pyramidisierung die Vergleichszahlen. Gehandelt wird hier immer nur die kleinste mögliche Kontrakzahl - 1 Kontrakt.

Das für den Handel benötigte Kapital liegt aktuell bei EUR 15.000,-- , wovon ca. 11.000,-- EUR auf die Margin entfallen.

Die Eurex führte den Mini-Dax-Future im Oktober 2015 ein, um erfahrenen Privatanlegern mit kleineren Wertpapier-Portfolios den Zugang zum Futures-Markt zu erleichtern.

Mini-Dax-Future

 

Von Anfang Januar 2020 bis zum 01.09.2020 hat dieses Handelssystem insgesamt 204 Trades (Round Turns) im Mini-FDAX gemacht.

Davon waren 88 Trades Gewinntrades.

116 Trades waren Verlusttrades.

Das ergibt eine Trefferquote in Höhe von 43,14 %.


 

 

Die Summe aller realisierten Gewinne betrug EUR 37.329,--.

Den realisierten Gewinnen standen aber wieder die unvermeidlichen Verluste in Höhe von EUR 27.182,-- gegenüber.

Daraus verbleibt ein Bruttoprofit in Höhe von EUR 10.147,--

 

Auf der Kostenseite stehen insgesamt EUR  4.053,00, die sich aus
EUR 818,-- Spesen und EUR 3.235,- Slippage zusammensetzen.

Mini-Dax-Future

Auch für den Mini-Dax-Future folgen hier wieder die Einzeltrades und die Depot-Kapitalkurve aus Investox Order-Plus:

 

Depot-Kapitalkurve Mini-FDAX 2020

 

Und natürlich folgen auch für den Mini-Dax-Future die 4 Planspiele für 2021:

1 :: Was wäre wenn... das Handelsjahr 2020 jetzt zu Ende wäre?

Auch für die Mini-Future Trader wäre das Handelsjahr bisher erfreulich verlaufen.

Auf ihren Bruttoprofit in Höhe von EUR 10.147,-- müssen sie noch Kapitalertragssteuern in Höhe von 26,376 % (Soli + Kirchensteuer inklusive) bezahlen.

Deshalb gehen EUR 2.676,37 an den deutschen Fiskus, der das Geld sicher gut gebrauchen könnte.

Dem Mini-Trader bleiben nach Steuer als Lohn für seine Mühe und Risikobereitschaft noch EUR 7.470,63 Nettoprofit.

Gerade das Mini-Futures-Trading war bisher übrigens sehr beliebt bei Tradern, die nur nebenberuflich traden und  systematische Wertpapiergeschäfte als einen Teil ihres Vermögensaufbaus und ihrer Altersvorsorge betreiben. 

Auch Trader die neu mit dem systematischen Handel starteten, wählten bisher zu Beginn gern das Mini-Future-Trading, um den Kapitaleinsatz und das Risiko in der Lernphase eng zu begrenzen.

Mini-Dax-Future - Steuer 2020

 

2 :: Was wäre wenn... wir 2021 hätten und das Handelsjahr jetzt zu Ende wäre?

Das wird ab dem kommenden Jahr aber keinen Sinn mehr machen.

Bei gleichem Handelsverlauf müsste der Mini-Futures-Trader im Jahr 2021 nämlich einen fiktiven Gewinn in Höhe von EUR 27.329,-- versteuern, obwohl er tatsächlich nur einen Bruttogewinn in Höhe von EUR 10.147,-- erzielt hat.

Die Abgeltungssteuer auf den fiktiven Gewinn schlägt wie immer mit 26,376 % zu Buche. Das macht dann den Betrag in Höhe von EUR 7.208,30 für den deutschen Fiskus. 

Dem Trader bleiben für seine Arbeit und für seine Risikobereitschaft am Ende Netto noch EUR 2.938,70 übrig.

Außerdem darf er seine im Entstehungsjahr nicht verrechenbaren Verluste in Höhe von EUR 17.182,-- über die nächsten 2 Kalenderjahre abschreiben, sofern er weiter Futures tradet.

Aber wie schon beim großen FDAX ist diese Rechnung auch beim Mini-Trading die reinste Theorie. Aus den verbleibenden 28,96 % Netto könnten ganz leicht auch nur 1 oder 2 % werden oder auch eine Steuer, die mehr als 100 % des Bruttogewinns beträgt.

Dazu muss sich einfach nur die Abfolge der Gewinn- und Verlusttrades etwas ändern.

Außerdem trifft auch hier wieder zu, was schon beim großen FDAX zum KO-Kriterium für das Durchhandeln der Strategie wurde: Die Handelskosten liegen über dem zu erwartenden Nettoprofit - und die Steuern sowieso.

Es ist also für den Trader absolut nicht lukrativ und viel zu risikoreich, das Mini-Futures-Handelssystem als Privatperson einfach trotz der steuerlichen Änderungen im Jahr 2021 wie bisher durchzutraden.

Besonders bitter dabei ist natürlich, dass die underliegende Strategie zum Besten gehören dürfte, was am deutschen Markt für private Anleger verfügbar ist, wenn  sie ihre Handelssysteme nicht selbst entwickeln wollen oder können.

3 :: Was wäre wenn... wir 2021 hätten und das Trading bei 10K EUR Verlust gestoppt wird?

Das ist jetzt natürlich eine sehr interessante Frage, weil ja seitens der Politik immer argumentiert wird, dass die 10.000,-- EUR Verlustbegrenzung pro Handelsjahr für Trader kleiner Handelskonten mehr als ausreichend bemessen sind. Aber natürlich stimmt das nicht mal ansatzweise.

Bei meinem Mini-FDAX-Handelssystem wären die 10.000,-- EUR Verlust schon am 16.04. um exakt 17:00 Uhr erreicht gewesen.

Bis dahin hat das Handelssystem in diesem Jahr 67 Trades gemacht.

Davon waren 25 Trades Gewinner und 42 Trades waren Verlierer.

Die Summe der Gewinne betrug insgesamt EUR 11.425,--.

Den Gewinnen standen Verluste in Höhe von insgesamt EUR 9.960,-- gegenüber.

Daraus verbleibt dann für den Trader ein Bruttogewinn in Höhe von EUR 1.465,--.

 

Der Fiskus bekommt davon natürlich noch seine 26,376% Abgeltungssteuer ab. Das macht für ihn in 2021 dann EUR 386,41.  Nun ja- das ist nicht viel - aber es geht der Politik ja auch nicht um das Steueraufkommen...

Netto würden für den Trader am Ende seines Trading-Jahres (d.h. Mitte April) noch EUR 1.078,59 bleiben.

Immerhin - ein mickriger Gewinn - sofern man nicht die bis dahin angefallenen Spesen und die Slippage mit berücksichtigt:

 

Spesen bis 16.04.2020 – 17:00 Uhr                                                                         EUR 270,--

Slippage bis 16.04.2020 – 17:00 Uhr                                                                       EUR 900,--

Also auch diese Variante ist nicht lukrativ für den privaten Trader mit kleinerem Handelskonto.

Bleibt aber vielleicht auch hier noch Lösung 4 - die Verlagerung des Tradings ins Betriebsvermögen?

4 :: Was wäre wenn... wir 2021 hätten und im Betriebsvermögen getradet worden wäre?

Wenn man von den 15.000,-- EUR Handelskapital jetzt noch die Gründungs-Kosten für die Kapitalgesellschaft, die Kosten für die Buchhaltung und den Jahresabschluss pro Jahr und die Datenversorgungs-Kosten als Professional abzieht, bleibt dem privaten Trader nicht mal mehr die Margin für den Handel eines einzigen Kontrakts im Mini-FDAX übrig.

Das rechnet sich hinten und vorn nicht!

Gerade denen, die den Kapitalaufbau am nötigsten haben und die nicht mal so eben ein paar Tausend EUR für die Gründung der Kapitalgesellschaft und die Buchführung übrig haben, wird diese Möglichkeit von der Politik komplett verbaut.

Herr Binding findet also, das Gesetz wirkt genau richtig?

Obwohl beide private Trader im Planspiel mit ihren systematischen Termingeschäften wie gewohnt Überschüsse erzielt hätten, können sich ab dem kommenden Jahr weder die Trader noch der Fiskus darüber freuen.

Dem Fiskus entgehen Kapitalertragssteuern in beachtlicher Höhe, weil selbst bisher besonders lukrative Handelsstrategien ab dem kommenden Jahr für private Trader nicht mehr mit vertretbarem Risiko handelbar sind.

Ich denke, dieser Fakt ist aufgrund der Komplexität einigen Abgeordneten in seiner Dimension bisher noch gar nicht bewusst.

 

 

Für den privaten Trader mit dem größeren Geldbeutel mag das Trading im Betriebsvermögen vorerst ein Ausweg sein.

Für den Mini-Trader mit dem kleinen Kapital ist es aber keine vernünftige Option.

Abschließend möchte ich noch eine Bemerkung machen:


Es fällt auf, dass sich im Zuge dieses Gesetzes eine kleine Gruppe von Koalitions-Politikern stets gleicher Phrasen bemüht, um das ganz offensichtlich sinnlose neue Gesetz doch noch irgendwie zu rechtfertigen.
Außerdem gibt es scheinbar eine große Gruppe von Koalitions-Politikern, die solches Schildbürgertum mit verantwortet, weil sie rein gar nichts aktiv dagegen unternimmt.

Leidtragende sind einmal mehr die Bürger dieser Republik, denen am Ende für die kommende Bundestagswahl wohl leider gar nichts anderes übrig bleibt, als eine ungeliebte Wahlentscheidung aus reiner Notwehr heraus zu treffen.



Whitepaper FDAX und Mini FDAX-Handelssystem

Whitepaper zum FDAX + Mini-FDAX Handelssystem
fdax-mini-fdax-60min-handelssystem.zip (7 MB)

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Ascunia :: Anke Sacharow, Unter den Ulmen 56a, D-15366 Neuenhagen

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Geänderte Steuern für Termingeschäfte ab 2021 - was ist Ihre Meinung?

Kommentar von Nobby |

Vielen Dank für die Super-Seite! Die Hetzjagd auf Trader und Anleger geht derweil unverdrossen weiter. Nur in Deutschland kommt man auf die Idee, über 100% Steuern zu verlangen (und je mehr man in der Praxis unter dem Strich Gewinne hat, desto mehr Verlust hat man nach Steuern... - Ergo, es ist ein nicht ausgesprochenes Handelsverbot!). Es gibt so viele Trader in Deutschland. Ich weiß nicht, ob sich die anderen nicht trauen, sich öffentlich zu äußern, ob sie in einer "Schockstarre" verharren, oder ob sie einfach noch nichts von dem Gesetz mitbekommen haben oder es nicht verstehen. Es ist einfach völlig inakzeptabel. Es kommt einem Handelsverbot gleich. Eine Diskussion über eine Erhöhung der Verlustgrenze, wie sie aktuell vielleicht geführt wird, damit die Bundesregierung sagen könne, sie habe etwas getan, ist absolut lächerlich bei Termin!geschäften. Aber es beweist, dass kaum jemand weiß, wie Termingeschäfte funktionieren und erst recht nicht möchte irgendjemand in der Bundesregierung akzeptieren, dass die Risiken bei richtiger Handhabe geringer sind, als beim direkten Engagement in Aktien. Dass Termingeschäfte "Teufelszeug" oder dergleichen wären, wird der Öffentlichkeit suggeriert und da sich niemand die Mühe macht, etwas zu verifizieren, werden die Trader zu einer verfolgten Spezies. Wie kommt man da wieder zur Vernunft? Im Ausland und hier in den letzten 50 Jahren war dies alles normal. Dazu waren Aktien nach einem Jahr steuerfrei etc. und nun wird suggeriert, die Abgeltungssteuer sei ein Geschenk, nachdem die Gewinne auf Unternehmensseite besteuert werden und der Privatanleger dies nochmal bezahlen darf. Es bleibt dabei, es geht um Enteignung und bei den Termingeschäften wird zur Zeit der Hass auf Banken und Hedgefonds etc. bei den Privaten abgeladen.
Nach wie vor finde ich es so Schade, dass nicht mehr Publikationen vorhanden sind mit einer Klarheit und einem Sachverstand, wie dies hier auf dieser Seite zu finden ist. Aufgrund von einigen fragwürdigen Youtube-Videos mit der Überschrift "Die Steuer ist vom Tisch" ist auf den sozialen Medien vielleicht immer noch ein Irrtum unterwegs, auch wenn in einigen wenigen Kommentaren Aufklärung betrieben wurde.
Wie nun aber jemand sein Wissen über Termingeschäfte in die Praxis einbringen kann unter dieser Politik, ist mir aktuell ein unlösbares Rätsel. Wofür Leistung sich noch lohnen soll, ist noch weniger zu beantworten. Diese Seite alleine hätte eine Arbeitserlaubnis verdient. Aber die Politik spricht diese ab.

Antwort von Anke Sacharow

Vielen Dank für deinen Kommentar Nobby!

Ja - es gibt viele Trader in Deutschland.
Und leider engagieren sich bisher nur sehr wenige davon aktiv gegen den Steuerirrsinn.
Aber all denen die sich bisher dagegen engagiert haben, kann man eigentlich nur ein ganz großes Lob aussprechen.
Obwohl dieses Gesetz vielen von uns völlig grundlos die Existenz unter dem Boden wegzieht, sind alle Äußerungen und Aktionen von den Betroffenen, die ich dazu im Internet gesehen habe, bisher sachlich, kompetent und objektiv geführt worden.
Das ist heute leider längst keine Selbstverständlichkeit mehr und es ist etwas, worauf wir stolz sein können.
Hoffentlich bleibt es so.

Du weißt ja selbst, was für ein "bunter Verein" wir Trader so sind...
Zu meinen Kunden gehören Pizzabäcker, Ingenieure, Arbeiter, Unternehmer, Studenten ... genauso wie Hochschulprofessoren und Staatsanwälte.
So verschieden wir Trader sind - wir haben alle eine Gemeinsamkeit.
Wir möchten die Verantwortung für unsere Aktivitäten am Kapitalmarkt selbst übernehmen.
Dafür eignen wir uns Fachwissen an und investieren viel Zeit und auch viel Geld in die Entwicklung unserer Handelsideen.
Bis wir dann nachhaltig profitabel sind, ist es trotzdem immer ein langer Weg.
Viele meiner Kunden haben z.B. ursprünglich ihr Anlagekapital mal Banken und Fonds anvertraut und wollten sich eigentlich gar nicht selbst darum kümmern.
Spätestens nachdem sie von der Bank ihres Vertrauens aber in der Finanzmarktkrise so richtig über den Tisch gezogen wurden, war das dann aber oft keine Option für die Zukunft mehr.
Ich bin Bankkauffrau. Nach ein paar Jahren Berufspraxis war mir aber klar, dass die Art von "provisionsbasierter Anlageberatung", wie sie zu meiner Zeit in der Bank gang und gäbe war, für meine eigenen Geldanlagen nicht in Frage kommt.
Ich war froh, mit der technischen Wertpapieranalyse und im Trading eine für mich seriöse und mathematisch-statistisch
untermauerte Handelsalternative gefunden zu haben.
Ich habe trotzdem viele Jahre gebraucht, um Programmiersprachen zu lernen, mich in komplexe Börsensoftware einzuarbeiten, mir Tools zu programmieren die es am Markt nicht gab, damit meine eigenen Handelsideen zu entwickeln, zu testen und letztlich erfolgreich damit live zu gehen.
Wenn ich meine Tätigkeit als systematische Traderin mit anderen Worten beschreiben müsste, würde ich selbst dafür wohl eher Begriffe aus der Mathematik, Statistik, Psychologie oder Programmierung wählen. Nie würde es mir in den Sinn kommen, mich selbst oder auch nur einen einzigen meiner Kunden oder auch nur einen seriösen Kollegen als "Zocker" zu verunglimpfen.

YouTube, Facebook & Co. sind einerseits ein Segen - andererseits ein Fluch. Der Wahrheitsgehalt von Postings, Tweets und Videos lässt sich für die Konsumenten der Inhalte dort kaum noch prüfen. Die Such-Algorithmen von Google und YouTube sind außerdem auch so eine Sache für sich. Du bekommst dort mit einem reißerischen Video wie "Die Steuer ist vom Tisch" oder "Reich in 5 Minuten durch Trading" sofort eine Riesen-Reichweite, hast Zehntausende Klicks und erscheinst ganz oben in den Suchergebnissen.
Dadurch kann für einen oberflächlichen Betrachter schon leicht der Eindruck entstehen, alle Trader sind Zocker.
Zumal er wahrscheinlich auch gar nicht soweit kommt festzustellen, dass die meisten Typen aus den Videos gar nicht traden, sondern nur Schauspieler, Influencer oder eben einfach Schaufelverkäufer sind.
Weil das so ist, gibt es von denen ja auch so vergleichsweise wenig nachhaltiges Engagement gegen §20. Er betrifft sie selbst ja gar nicht.
Die Videos realer Trader kriegt ein oberflächlicher Betrachter gar nicht zu sehen, weil er nicht unter den Fachbegriffen sucht, unter denen sie zu finden wären.
Leute die wirklich ernsthaft traden wissen natürlich, dass bestimmt locker 90% der Videos zum Thema "Trading" auf YouTube nur Fakes sind.
Aber es gibt die "schillernden Persönlichkeiten", so lange es die Börsen gibt. Sie gehören zum Geschäft und scheinbar haben sie ja auch ihre Kunden.
Einer meiner Kunden hat es mal wie folgt auf den Punkt gebracht:
"Jeder findet im Internet heute exakt das, was er sucht. Viele wollen nur Träume kaufen. Und auch die finden ihren Verkäufer".

Bitter für alle ernsthaften und seriösen Trader ist, dass ein extrem verzerrtes Bild unserer Tätigkeit offensichtlich der aktuellen Gesetzgebung zugrunde lag und jetzt auch weiter dafür sorgt, dass man diese Gesetzgebung nicht mehr korrigiert.
Das wird leider dazu führen, dass von dem wenigen Fachwissen das wir hier in Deutschland zum Thema haben, ab dem kommenden Jahr ein weiterer großer Teil verloren geht.
Längerfristig kann dieses Gesetz kein privater Trader am Terminmarkt durchhalten.
Alles was so an Nonsens in den Foren geschrieben wird von "Profitfaktor erhöhen" usw. sind schöne, unrealistische Illusionen von "Möchtegern-Tradern".
Wenn es so einfach wäre den Profitfaktor zu erhöhen (und wenn diese Kennzahl Aussagekraft hätte), hätte ich das längst für alle meine Strategien gemacht.
Und zwar von mir aus, um mein Trading zu verbessern und ohne den geänderten §20.
Leider funktioniert aber all das nicht längerfristig reproduzierbar im realen Markt.
§20 wird private Trader ab dem kommenden Jahr ausknocken.
Ausweichen können Privatanleger dann noch auf den Aktienhandel. Die Aktien-Positionen kann man dann aber nicht mehr vergleichbar gut wie bisher gegen fallende und crashende Märkte absichern - ohne Termingeschäfte zur Portfolio Diversifizierung.

Viele seriöse Anbieter von Know How , Tools und Ausbildungen für seriöses Trading, Kursdaten, Börsensoftware etc. werden die Änderung von §20 im kommenden Jahr nicht überleben.
Die Nachfrage nach ihren Angeboten von privater deutscher Seite ist ja bei vielen schon seit Veröffenlichung des neuen Gesetzes Anfang 2020 komplett weggebrochen, wie ich aus Gesprächen mit Kollegen und Kunden erfahren musste. Wenn dieses Wissen erstmal weg ist, kommt es nicht zurück.

Die Zeit ist hier in Deutschland nicht reif, für einen transparenten Finanzmarkt ohne Betrügereien, für autonome und informierte Kapitalanleger und für seriöse Angebote.
Vielleicht wird es in ein paar Jahren besser sein, wenn die Klagen gegen §20 zugunsten der Kläger entschieden sind.
Dann können ja die Anbieter aus dem angelsächsischen Raum ihren Absatzmarkt auf "Deutschland" erweitern, um die sicherlich wieder anziehende Nachfrage von privater Seite zu bedienen.

Sorry- das war ein langer Text und natürlich wurde er auch viel emotionaler, als er eigentlich werden sollte.
Aber ich bin einfach seit Beginn des Jahres enttäuscht und desillusioniert davon, wie zu Lasten von Privatanlegern (und von seriösen Dienstleistern) von der Politik scheinbar beratungsresistent an sachlich falschen Gesetzen festgehalten wird.