Wie super ist der Supertrend Indikator?

Wie super ist der Supertrend Indikator?

 

Der Name "Supertrend" lässt vermuten, dass es sich um einen Wunder-Indikator zur Trendbestimmung handeln könnte.

  • Aber was macht der Supertrend-Indikator eigentlich genau?
  • Wie wird er berechnet und wie bestimmt man damit den Trend?

Die erste Zutat für den Indikator ist der Abstand zwischen dem Hoch- und dem Tiefkurs der aktuellen Kerze.

Ausserdem wird noch der Abstand zwischen dem Schlusskurs der Vorkerze und dem aktuellen Hoch und zwischen dem Schlusskurs der Vorkerze und dem aktuellen Tief gemessen.

Alle 3 Abstände werden miteinander verglichen.

Nur der größte Abstand - auch bekannt als „True Range“ wird zur weiteren Berechnung des Supertrend-Indikators benötigt.

Supertrend Indikator :: Berechnung

 

Der Supertrend-Indikator hat immer 2 Einstellmöglichkeiten.

Die erste heißt „Perioden“, die zweite nennt sich „Faktor“

Supertrend Indikator :: Einstellungen

 

Die True Range wird immer über genau soviele Kerzen aufsummiert, wie es unter „Perioden“ im Supertrend-Indikator eingestellt ist. Dann wird daraus der Durchschnittswert gebildet.

Das Ergebnis ist die Average True Range oder kurz ATR.

ATR - Average true Range im Supertrend-Indikator

 

Außerdem wird zur Berechnung des Supertrend-Indikators der einfache Mittelkurs der aktuellen Kerze benötigt.
Dieser berechnet sich aus

(High + Low + Close) /3

Median Preis im Supertrend Indikator

 

Die 2. Einstellmöglichkeit –Faktor- bestimmt, wie oft die ATR zum Mittelkurs hinzugerechnet oder von ihm abgezogen wird.
Ist 3 als Faktor eingestellt, die 3-fache ATR zum Mittelkurs addiert.
Gleichzeitig wird auch die 3-fache ATR vom Mittelkurs abgezogen.
Das Ergebnis dieser beiden Berechnungen sind Volatilitätsbänder, die ober- und unterhalb aller Kurse im Chart verlaufen.

Einstellmöglichkeit Faktor im Supertrend Indikator

 

Der Supertrend-Indikator entspricht immer einem dieser Bänder.
In einem Aufwärtstrend dem unteren Band und im Abwärtstrend dem oberen Band.

Supertrend Indikator :: Aufwärtstrend :: Abwärtstrend

 

Immer wenn der Schlusskurs einer Kerze unter das untere ATR-Band fällt, zeigt der Supertrend-Indikator einen Trendwechsel zum Abwärtstrend an.
Er verläuft dann über den aktuellen Kursen und bildet einen charttechnischen Widerstand.

Supertrend Indikator :: Trendwechsel Abwärtstrend

 

Schließt eine Kerze über dem oberen ATR-Band, löst das im Supertrend-Indikator einen Trendwechsel zum Aufwärtstrend aus.
Dann wechselt der Wert des Supertrend-Indikators vom oberen ATR-Band auf das untere Band.
Das untere ATR-Band verläuft unter dem aktuellen Kurs und wirkt als charttechnische Unterstützung.

Supertrend Indikator :: Trendwechsel Aufwärtstrend

Der Supertrend-Indikator ist ein klassischer Trendfolger.
Der Kurs muss immer erst ein Stückchen in die neue Trendrichtung gelaufen sein, bevor der Indikator einen Trendwechsel erkennt und anzeigt.
Wie viele Trendfolger zeigt deshalb auch der Supertrend-Indikator das aktuelle Marktverhalten verzögert an.
Das kann in schwach ausgeprägten Trends- bzw. Seitwärtsmärkten zu Fehlsignalen und Verlusten führen.

In Seitwärtstrends liefert der Supertrend-indikator viele Fehlsignale.

In der Grafik kann man das schön sehen.
Im stark ausgeprägten Aufwärtstrend von Juli 2012 bis Januar 2014 liessen sich mit dem Supertrend-Indikator gute Gewinne erzielen.
In der folgenden Seitwärtsbewegung bis November 2014 gibt der Supertrend-indikator dann aber so viele Fehlsignale aus, dass alle zuvor erzielten Gewinne wieder verloren gehen.

Handelsregeln für den Supertrend-Indikator

Beim klassischen Handelsansatz für den Supertrend-Indikator ist man ständig investiert.

Man geht Long, wenn der Close-Kurs über den Supertrend-Indikator steigt und wechselt auf "Short" , wenn der Close-Kurs unter den Supertrend-Indikator fällt.

Diese Art des Handelns nennt man „Stop and Reverse“.

Der Supertrend-Indikator ändert seinen Wert bei kleineren Kursbewegungen in die Gegenrichtung nicht.
In Aufwärtstrends kann er nur steigen oder waagerecht verlaufen.
In Abwärtstrends kann der Supertrend-Indikator nur fallen oder waagerecht verlaufen. Der Supertrend-Indikator verhält sich damit wie ein Trailingstop.

Kommen wir zum ersten Systemtest mit dem wir feststellen wollen, ob der Supertrend-Indikator seinen Namen verdient:

Getestet habe ich immer ein einfaches End-of-Day System an einer kleinen Auswahl von 8 Dax30-Aktien, die ich zufällig aus allen Dax30 Titeln gewählt habe:

Supertrend Indikator :: Systemtest Aktien

Gesamtkosten sind mit 0,45 % pro Trade – mindestens 20 EUR berücksichtigt.

Der Supertrend-Indikator tritt jeweils gegen Parabolic-SAR und 2 weitere SAR-Indikatoren an.

Supertrend Indikator im Test - Ergebnis 1

Das Ergebnis für das reine Stop und reverse System ist für den Supertrend-Indikator ernüchternd.
Über 16 getestete Jahre wurden damit zwar viele Trades gemacht – aber die kleinen Gewinne konnten die Verluste nicht ausgleichen.
Unter dem Strich bleibt ein Verlust.

Hier wäre man bei sonst gleicher Systemlogik mit dem Bollinger SAR oder dem Donchian SAR deutlich besser gefahren.

 

Der Supertrend-Indikator gibt relativ viele Handelssignale aus.

Deshalb könnte es eine gute Idee sein, die unprofitablen Signale mit zusätzlichen Indikatoren auszufiltern. So wird es jedenfalls für den Supertrend-Indikator häufig vorgeschlagen und ich habe deshalb auch verschiedene Trendfilter-Indikatoren ausprobiert.

Getestet habe ich:

  • die Aroon-Indikatoren
  • verschiedene Gleitende Durchschnitte
  • ADX
  • PDI und MDI
  • RSI
  • Stochastic

und natürlich meinen persönlichen Favoriten – den Choppiness-Indikator, von dem ich weiß, dass ein guter Trendfilter ist.
Weniger Handelsignale bekam ich mit allen getesteten Trendfiltern – bei Profit und Drawdown waren die Ergebnisse allerdings sehr gemischt.

Beim Supertrend-Indikator brachten allein die Aroon-Indikatoren einen Schub in der Performance.

Supertrend Indikator im Test :: Ergebnis 2

Der Aroon als zusätzlicher Trendfilter verbessert das Ergebnisse des Supertrend-Systems.
Trotzdem bleibt das Ergebnis weiter deutlich hinter dem Ergebnis des Bollinger-SAR- Vergleichssystems zurück.

 

Der eingebaute Trailingstop ist ja schon Bestandteil des Supertrend-Indikators- aber vielleicht fehlen dem System ja einfach noch ein paar Verluststops und Gewinnstops, um es zum Überflieger zu machen?

Auch das habe ich ausgetestet.

Und tatsächlich verbessern die zusätzlichen Stops die Ergebnisse aller 4 Systeme deutlich.

Das kommt auch nicht ganz unerwartet. Schließlich werden Verluste enger begrenzt und Gewinne schneller realisiert, wenn das Zurücklaufen der Kurse bis zum Supertrend-Level nicht abgewartet werden muss.

Das führt bei alle Testsystemen zu höheren Profiten und niedrigeren Drawdowns.

Supertrend Handelssystem mit zusätzlichen Gewinn- und Verluststops

 

Aber auch hier ändert sich nichts am schon bekannten Bild: 

Das Supertrend-System bleibt wieder  hinter 2 anderen SAR-Systemen zurück.

Nur das noch schlechtere  Parabolic-System verhindert, dass die rote Laterne in der Gesamtwertung an das Supertrend-System geht.

Supertrend Indikator im Backtest :: Ergebnis 3

Fazit:

Zusammenfassend kann man sagen, dass man mit dem Supertrend-Indikator durchaus profitabel traden kann - vor allem in Kombination mit anderen Indikatoren und mit weiteren Stops.
Das Wort „Super“ im Indikatornamen ist aber übertrieben.
Selbst mit optimierten Systemeinstellungen können Handelslogik und Testergebnisse nicht begeistern.
In Seitwärts-Märkten wird der Supertrend-Indikator zum Risiko für die Performance.
Auch sein toller Name kann deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Supertrend-Indikator leider alles andere als ein Wunder-Indikator zur Trendbestimmung ist.


Download gegen Mailadresse

Investox Indikatoren :: Supertrend Indikator

abstand

Supertrend_Indikator.Inn (3 KB)